Waldorfschule für Indiokinder
Das Bildungszentrum am Amazonas
Schon bei der Gründung beschloss die Stiftung Waldorfpädagogik Essen, den „Zehnten“ in Projekte aus entwicklungsbedürftigen Ländern zu geben. Denn auch wenn in Deutschland großer Finanzbedarf für eine gute und dem Menschen gemäße Bildung besteht, wollten die Mitglieder auch Verantwortung für schwächere Teile dieser Welt übernehmen. Seit 2011 baut die Initiative in der Tiefebene im Amazonasgebiet ein neues Bildungszentrum auf, das die dortige indigene Bevölkerung unterstützen soll. Die engagierten Gründer Lourdes Jibaja und ihr Ehemann Martin Stevens fördern seit längerer Zeit auch Kinder der Shipibo-Indianer bei Pucallpa mit einem Nachmittagsangebot, das an ihre kulturelle Tradition anknüpft.
Eigene Kultur bewahren
Die staatliche Schule ist bei den Shipibo Kindern nicht sehr beliebt. Denn dort können sie ihre eigenen Sprache nicht sprechen und entsprechend ihrer kulturellen Tradition leben. Nach der Schule kommen sie daher in das Kulturzentrum in Ceilan bei Pucallpa und lernen ihre traditionelle Handwerkskunst kennen, die bei einigen Kindern und Eltern bereits in Vergessenheit geraten ist. Die Gründerin Lourdes Jibaja besucht die Schule viermal im Jahr. Ansonsten liegt der Unterricht in den Händen zweier Shipibo-Lehrer, Maria und Alberto, die dort eigenständig 35 Kinder im Alter zwischen 6 - 12 Jahren betreuen. Die beiden Lehrer engagieren sich für die Verbindung zwischen Waldorfpädagogik und indigenen Traditionen und haben 2011 bereits an dem Waldorf-Kongress in Lima teilgenommen.
Die Schule in Laguna Azul
Einen weiten Weg hat die Initiative in einem anderen Gebiet, in Laguna Azul, noch vor sich. Im Jahr 2011 haben sie ein 220 m² großes Grundstück gekauft und sind gerade dabei, einen Klassenraum sowie einen ökologisch-dynamischen Garten aufzubauen. In der Region bei Laguna Azul hat sich seit 80 Jahren nicht viel verändert: kaum feste Straßen, schlechte Gesundheitsversorgung, kaum gute Bildungsein-richtungen. Das soll sich laut einer lokalen Elterninitiative und laut staatlicher Schuldirektoren alles ändern. Sie haben bereits Interesse für die Waldorfpädagogik geäußert und wollen die Bildungssituation in Laguna Azul deutlich verbessern. Über Abend- und Wochenendkurse in Englisch, in Lesen und Schreiben und mit praktischen Kursen in Holzarbeit und Nähen für junge Mütter habe sie bereits begonnen, auch wenn noch keine richtigen Schulräume und Toiletten vorhanden sind. Das von uns unterstützte Bildungszentrum soll in Zukunft als soziale Anlaufstelle dienen und endlich für die Menschen vor Ort bessere Bildungsmöglichkeiten bieten.

